Die Orgel - die Königin der Instrumente

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Von Tasten, Manualen und Pedalen1
"Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben." So steht es im II. Vatikanum in der Konstitution über die heilige Liturgie. Kein Geringerer als Wolfgang Amadeus Mozart, der Zeit seines Lebens auf seinen zahlreichen Reisen durch Europa keine Gelegenheit ausließ, auch die Orgel einer Stadt zu "probieren", bezeichnete sie ehrfurchtsvoll gar als "die Königin der Instrumente". Obwohl die Orgel aus dem alten Griechenland kommt und erst im 8. Jahrhundert als Geschenk aus Byzanz in Westeuropa bekannt wurde, verzichtet kurioserweise die orthodoxe Kirche auf die Orgel in ihrer Liturgie. Wie kommt es, dass die Orgel als so außergewöhnliches Instrument empfunden wird, das mehr als alle anderen Instrumente zum festen Bestandteil des Kircheninventars, der Kirchenmusik, vor allem aber jeder Liturgiefeier des weströmisch-lateinischen bzw. westlichen Christentums schlechthin wurde?

Meditation und Erbauung für die Seele. Einerseits ist es vielleicht der geradlinige, in seiner Intensität stets gleich bleibende Ton der Orgel, der uns ein Stück Unendlichkeit erahnen lässt, ein Ton, der durch seine Unsterblichkeit (infolge der "künstlichen Lunge" des Blasbalges) in besonderem Maße geeignet ist, "die Herzen zu Gott und zum Himmel - und damit zur Ewigkeit - emporzuheben". Man stelle sich die Alternative vor, eine Messe, eine Vesper, eine Andacht ohne Orgel zu erleben. Der Klang der Orgelmusik ist Meditation, Erbauung für die Seele, Stütze beim Gesang. Ein berufener Organist mit einem verantwortungsvollen Amtsverständnis wird alles daran setzen, nicht nur seine Finger- und Fußfertigkeiten, sondern auch seine liturgischen Gestaltungsfähigkeiten zu verbessern. Andererseits sind es wohl auch konstruktionsbedingte und musikalische Gründe, die die Orgel trotz ihrer anrüchigen Frühgeschichte im Altertum (Verwendung bei Gladiatorenkämpfen, etc.) zum Instrument der Kirche schlechthin werden ließen. Die Orgel ist kein einfaches Instrument. Viele Instrumente sind in ihr vereinigt. Sie ist gleichsam ein ganzes "Orchester von verschiedenen Instrumenten". Dennoch soll und kann die Orgel das Orchester klanglich nicht ersetzen, wohl aber musikalisch, weil es auf der Orgel besser als auf allen anderen Akkordinstrumenten möglich ist, nicht nur ein Instrument (Register) allein, sondern gleich mehrere in verschiedenen Klangfarben zu spielen.

Komplizierte Technik und Mechanik. Somit kann man quasi wie in einem Orchester Stimmen hervorheben oder begleitend zurücknehmen und in anderer Klangfarbe gestalten. All das geschieht mit dem geringsten Personalaufwand, den man sich vorstellen kann – eine Person anstelle von beispielsweise 80 – 100 Musikern! Dass diese vielen Instrumente bzw. Register von einem Menschen gesteuert und regiert werden können, dafür bedarf es einer komplizierten Technik und großer physikalischer Kenntnisse über Mechanik, Pneumatik, Elektrik und heutzutage auch der Elektronik. Diesem Umstand verdankt die Orgel schon von alters her ihren Namen: "organon" hieß sie bei den Griechen. Daraus wurde dann bei den Römern das lateinische "organum", was auf Deutsch "Instrument, Werkzeug, Maschine" heißt. Im Italienischen (organo) oder Englischen (organ) hat sich dieser Name bis heute erhalten. Welch gewaltiger "Verwaltungsapparat" an Knöpfen, Zügen, Hebeln, Winkeln, Schleifen, Abstrakten, etc. für die Steuerung am Spieltisch und deren Übertragung zu den Pfeifen (Traktur) notwendig ist, mag man ermessen, wenn man etwa an Großorgeln wie im Dom zu Passau (mit 218 Registern und fast 18.000 Pfeifen die größte Kirchenorgel der Welt) oder in Atlantic City, USA (Riesenorgel mit über 400 Registern und ca. 33.000 Pfeifen) denkt.

Orgel ersetzt Orchester. Weil die Orgel bei entsprechender Disposition (Registeraufstellung) selbst größte Kirchenräume akustisch zu füllen in der Lage ist, ersetzt sie gerade in der Liturgie – auch von den Kosten her betrachtet – preiswert ein Orchester. Die teure Anschaffung einer Orgel kommt – gemessen an der "orchestralen" Verwendungsmöglichkeit – auf lange Sicht wesentlich billiger als das Engagement eines Ensembles oder gar eines großen Orchesters für einen einfachen Gottesdienst – bei Erfüllung gleicher musikalischer Aufgaben! Gemeint ist hier natürlich immer die Pfeifenorgel, nicht die Elektronische Orgel oder Digitalorgel, welche lediglich eine gesampelte, also "aufgenommene" Pfeifenorgel ist und über Lautsprecher in CD-Qualität wiedergegeben wird. Vergleichbar einer Kunststoffrose handelt es sich bei der Digitalorgel um ein billiges künstliches Imitat einer Pfeifenorgel ohne Authentizität und Abstimmung auf den jeweiligen Kirchenraum.2

Tasten- und Blasinstrument gleichzeitig. Von der Spielart her ist die Orgel ein Tasteninstrument. Sie ist aber auch ein Aerophon, ein Luftklinger, also ein Blasinstrument – von der Tonerzeugung aus betrachtet. Die Pfeifenreihen jeweils gleicher Bauweise nennt man Register. Je mehr Register, desto mehr Instrumente. Jede Klaviatur für die Hände (Manual) hat 56 - 61 Tasten, für die Füße (Pedal) 30 - 32 Tasten mit mindestens ebenso vielen Pfeifen pro Register. Eine mittelgroße Orgel hat meist drei Manuale mit etwa 30-40 Registern, das bedeutet hunderte und tausende Pfeifen verschiedenster Größe, die größten über 11 m lang (32'), die kleinsten etwa 4 cm. Sie stehen im Orgelgehäuse auf "Windladen", wobei nur die vorderen sichtbar sind (Prospekt), der Großteil der Pfeifen ist von außen nicht zu sehen. Die vielen verschiedenen Pfeifenreihen aus Holz oder Metall – unterschiedlich in Bauweise und Klang – richtig zu mischen, so dass sie harmonisch miteinander verschmelzen oder sich bewusst im Klang abheben, das ist die Kunst, die der Organist – im Unterschied zum Klavierspiel – zusätzlich zum Erlernen des Spiels mit Händen und Füßen zu beherrschen hat.

Langjährige Ausbildung. Ein Organist "regiert" praktisch über ein ganzes Orchester vom so genannten Regierwerk aus, dem Spieltisch, indem er zum richtigen Drücken der Tasten auch die geeigneten Register zieht, die Orgel quasi instrumentiert, um den jeweils gewünschten Klang zu erhalten. Er "dirigiert" seine Pfeifen, aber er muss seine "Instrumente" im Unterschied zum Orchesterdirigenten auch selbst spielen. Dafür ist eine langjährige Ausbildung notwendig. Ein Kirchenmusikstudium an einer Musikuniversität dauert zwischen acht und zwölf Semestern, die Konzertfachausbildung gar 16 Semester, beide Studien schließen mit einem Diplom ab.
Organist werden heißt also, besessen zu sein von der Faszination dieses universellsten aller Musikinstrumente. Organist sein heißt aber auch, Idealist zu sein, eine lange Ausbildung in Kauf zu nehmen, die vielfach nicht zu einer beruflichen Anstellung führt.

1 Aus dem 30. Jahrbuch der Diözese Gurk / Zbornik krške škofije 2007 mit dem Schwerpunktthema: "Musik Berührung der Seele", Autor: Helmuth Luksch
(Helmuth Luksch ist Orgelreferent der Diözese Gurk und lehrt am Institut "Anton Bruckner" der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien)

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