Klänge des Herzens
Ein in jeder Hinsicht gewagter Abend: „Klänge des Herzens“ haben mit Liebe, mit Leidenschaft und Lust zu tun. Und das in einer Kirche? Sie haben mit Gesang, Tanz, mazedonischer Tambura und japanischen Trommeln zu tun. Und das bei einem Orgelfestival? Und sie haben mit Texten und Liedern von Goethe bis Pippi Langstrumpf und von Rilke bis Charlie Chaplin zu tun. Am Samstag gastierten die Schauspieler Siemen Rühaak und Margrit Sartorius gemeinsam mit der Taiko-Gruppe Wadokyo und dem Organisten Jens-Peter Enk in der Oberbilker Christuskirche. „Klänge des Herzens“ wurde im Rahmen des 5. Internationalen Düsseldorfer Orgelfestivals, nach einer „Generalprobe“ am Vortag in Berlin, uraufgeführt. Die rund 300 Zuhörer wurden von einem geradezu liturgisch zelebrierten Auftritt der Künstler überrascht, um dann eine Inszenierung zu erleben, in der östliche und westliche Kulturen musikalisch, rhythmisch und lyrisch aufeinandertrafen und sich ineinander verwoben. Rühaak und Sartorius eröffneten über den Köpfen des Publikums das Programm ausdrucksvoll mit Goethes Frage: „Woher kommen wir? – Aus Lieb!“ und hatten damit den roten Faden des Abends vorgegeben. Es ging um die Gefühle und den Takt des Herzens. Und so unterschiedlich Gefühle sein können, so verschieden waren auch die Nummern dieses Konzerts. Während die japanischen Trommler von Wadokyo mit Kraft und Macht das Aufwogen der Emotionen begeisternd an ihren Instrumenten präsentierten, gingen die aus dem Fernsehen bekannten Schauspieler gesungen (unterstützt von Robert Stöckle an Klavier und Gitarre) und gesprochen in die Tiefe der Sehnsucht und Leidenschaft. In den Dialogen war dem Ehepaar Sartorius/ Rühaak die Leidenschaft über das schauspielerische Talent hinaus anzumerken. Und auch in ihren Solo-Parts, meist unterstützt von den japanischen Trommlern, gingen die beiden Künstler dem Abend entsprechend „zu Herzen“. So konnte Margrit Sartorius im zweiten Teil nicht nur ihre sprachlichen, sondern auch ihre hervorragenden tänzerischen Qualitäten zum Ausdruck bringen. Der erotische Text „vivo – ich lebe“ der nicaraguanischen Autorin Gioconda Belli wurde im reinen Frauenquartett (zusammen mit den drei Trommlerinnen von Wadokyo) für das Publikum zur sinnlichen „Weinlese der Lust“ für Ohren und Augen. Siemen Rühaak und Frank Dubberke antworteten mit Rainer Maria Rilkes „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ in einem Duett aus Trommel, Tambura und Obertongesang. Ein Akt, der die Zuhörer ergriff und auch die Akteure sichtlich bewegte. In „Du Nachbar, Gott“, ebenfalls ein Text von Rilke, kam es zum kraftvollen und aufwühlenden Zusammenspiel von ausdrucksstarker Stimme, kraftvoller Rhythmik und erhabener Klangfülle aller Instrumente. Bei aller Tiefe und teilweise auch schwere der Emotionen sorgte Jens-Peter Enk an der Orgel immer wieder für die heiteren und leichten Momente. Mit einer Improvisation über die kindlichen Gefühle mit bekannten Melodien aus Pipi Langstrumpf und der Sendung mit der Maus, mit dem bei kaum einer Trauung fehlenden „Hochzeitsmarsch“, aber auch mit „ernsthafter“ Orgelmusik, die Enk schwungvoll zu Gehör brachte. Beendet wurde das viel bejubelte Programm mit den Worten „ich liebe dich“ in rund 20 Sprachen – und drei Zugaben mit Orgel, Trommeln und Gesang. „Klänge des Herzens“ war ein gewagter Abend. Aber so sind Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht nun einmal - und dieses Wagnis war es für das Publikum wert.
