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Hinreißender Tanz auf Tasten und Pedalen


DÜSSELDORF, 02. Oktober 2010 - Es war fast ein Heimspiel, denn die Münchnerin Barbara Dennerlein fühlt sich – wie sie selber sagt – schon als halbe Düsseldorferin. Mit ihrem Programm „Hammond meets Churchorgan“ trat die Queen of Jazz am Samstag in der Oberbilker Christuskirche auf und hat damit das 5. Internationale Düsseldorfer Orgelfestival eröffnet. Dass hierbei nicht strenge, klassische Kirchenmusik, sondern Blues, Boogie und Swing zu hören waren, ist dem bewusst abwechslungsreichen Programm der Musikfestspiele zu verdanken. Und so tat Barbara Dennerlein von Beginn an, was sie dem Publikum versprochen hatte: Sie spielte gegen die ausgefallene Heizung der Kirche an und heizte sich, der Pfeifenorgel und dem Publikum gehörig ein. Mit einer rhythmischen, melodischen Jazzkomposition von Fats Waller eröffnete sie das Programm an der Schuke-Pfeifenorgel und gleich gingen die Köpfe und Füße der Zuhörer in den Kirchenbänken mit. Ihr Publikum war breit gefächert, wie die Klangvielfalt, die sie dem Instrument entlockte: Von Studenten bis zu den neudeutschen „Best Agern“, von Flickenjeans bis Lodenmantel. Die Lebhaftigkeit und enorme Energie der Musikerin rauschte durch die Kirchenhalle, ihr leichtes, geradezu graziles Spiel war stets auf der großen Videoleinwand mitzuverfolgen. Zwischen den Stücken moderierte sie in charmanten Art die Stücke an und erklärte manche Tricks an der rein mechanischen Orgel. Ihr Ideenreichtum ist riesig, die Quelle ihrer Inspiration scheint unerschöpflich. Egal ob ihre Konzertreisen durch Brasilien oder das Fehlende Formular I-797 für die Arbeitserlaubnis in den USA: Aus allem macht sie eine Komposition, in der sich ihre Gefühle und Stimmungen erkennen lassen. Schon nach dem zweiten Stück fragt sie: „Ich hoffe, ich habe sie jetzt nicht mit Noten überflutet?“ und lächelt verlegen, um dann mit der Ballade „God bless the child“ von Billie Holiday ruhige, warme Töne anzuschlagen. Den richtigen Ton zu treffen, das ist ihre große Gabe. Tags zuvor hatte sie die Kirchenorgel für die ausgewählten Stücke registriert, um an der richten Stelle die richtigen Register für die passende Klangfarbe zu finden – eine Meisterleistung, die zu hören war. Von gefühlvoll und zart bis bizarr und Freestyle hat sie Bilder, Formen und Gefühle in die Köpfe ihrer Zuhörer gemalt. Vor allem bei ihrer Komposition „Bebabaloo“ gesteht sie selber: „Ich spiel´ eh immer etwas schräg, aber dieses Stück ist noch etwas schräger.“ Das Publikum war trotzdem, oder grade deshalb hingerissen von der strahlenden Musikerin und ihrer Kunst. Damit hatte die große Kirchenorgel ihren Einsatz geschafft und der eigens angereiste Orgelbauer konnte sich entspannen – das Instrument hatte den „Wirbelsturm Dennerlein“ heil überstanden. Im zweiten Teil kam nun ihre große Leidenschaft, die über 50 Jahre alte Hammond B3 Orgel, zum Einsatz. Bei Stücken wie „Autumn Leaves“, „Sensitivity“ oder dem langsamen Blues „Going home“ schloss sie die Augen und ging vollständig in ihrer Musik auf. Barbara Dennerlein ist Authentizität auf Tasten. Und wenn ihre Finger eine Pause haben, tanzen ihre Füße leicht und swingend auf den Pedalen weiter. Mit dem „Organ Boogie“ und der Zugabe „That´s me“ verabschiedete sich die Jazz-Ikone mit einem einnehmenden Lächeln. „Mir ist ordentlich warm geworden. Ich hoffe, ihnen auch“. Bereits am Freitag hatte das ido-festival bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Altstadtbasilika St. Lambertus einen Auftakt erlebt. Hier war die ganze musikalische Bandbreite der Festspiele schon zu hören: Von Händels „Halleluja“ aus dem Messias, vorgetragen von den stimmlich überzeugenden Chören der Basilika St. Lambertus und der Kantorei der Friedenskirchengemeinde, bis zu modernen Paul-Gerhardt-Vertonungen, die Pop-Produzent und Musicalkomponist Dieter Falk am Keyboard anstimmte. Stadt-Superintendent Ulrich Lilie sprach in seiner Predigt davon, mit der Musik die „Mauern zum wackeln zu bringen“. Barbara Dennerlein hat hierfür einen hervorragenden Startpunkt gesetzt. Noch bis zum 7. November finden zahlreiche Konzerte und Events im gesamten Düsseldorfer Stadtgebiet statt. Infos hierzu sind unter www.ido-festival.de zu finden. Tickets für die weiteren Veranstaltungen gibt es im Internet und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. (4.240 Zeichen; kür/ido-festival)