Düsseldorf im ORGELFIEBER
2. Internationales Düsseldorfer Orgelfestival (IDO)
Düsseldorf im ORGELFIEBER
von Clemens Schäfer, Düsseldorf
Fast 70 Veranstaltungen in 5 Wochen (Oktober 2007) hatte der Verein "psallite.cantate" im 2. Internationalen Düsseldorfer Orgelfestival (IDO) zusammengestellt. Im Schwerpunkt natürlich herkömmliche Konzerte. Aber es ging auch darum, Menschen anzusprechen, denen die Orgel nicht oder kaum vertraut ist. Fünf Veranstaltungen für Kinder ("Poco Rit hat alles im Griff" von Doris Bläser), Orgelkonzerte mit japanischen Trommeln, mit Big-Band, mit Whistles, mit Lyrik, mit Stummfilm (historische Welte-Kino-Orgel des Filmmuseums) gehörten dazu. Ferner eine 24-Stunden-Orgel, Orgelvorführungen, eine Planwagenfahrt zwischen zwei herbstlichen Orgelkonzerten, eine Exkursion zum Orgelpark Amsterdam und eine gut besuchte Orgelparty.
Für Studierende gab es drei Meisterkurse ("Liszt" mit Prof. István Ella, Budapest sowie "Reger" und "Improvisationsworkshop" mit Prof. Torsten Laux, Düsseldorf). Die Preisträgerwerke eines Kompositionswettbewerbs wurden von Torsten Laux in einem Konzert (St. Franziskus-Xaverius) uraufgeführt. Ein erster Preis wurde nicht vergeben. Den zweiten Preis erhielt Dr. Manfred Stahnke, Hamburg, für "Schumann in der Lambertuskirche". Zwei dritte Preise erhielten Vito Zuraj, Karlsruhe, für "Auf Flügeln des Gesangs" und Thomas Pehlken, Bergheim, für "Fünf Miniaturen für die Max".
Alle Konzerte konnte der Rezensent nicht besuchen. Aber: Unter den Organisten ragten hervor Vincent Dubois, der in St. Lambertus und in St. Margareta ungemein dicht und innig musizierte (u.a. Viernes Erste, Francks Grande Pièce Symphonique), István Ella mit einer sehr ausgewogenen Interpretation der drei großen Liszt-Werke (St. Bruno), Marcel Ober (preisverdächtig) mit Saint-Saens und Vierne (St. Antonius, Friedrichstadt), Hans-Dieter Möller mit Musik zu Langlais’ 100. Geburtstag (St. Antonius, Friedrichstadt), Torsten Laux mit kongenialer Darstellung der sieben Choralfantasien von Reger (in zwei Konzerten, St. Quirinus, Neuss), Markus Hinz mit einem Karg-Elert-Portrait (St. Antonius, Oberkassel), Thierry Escaich mit Francks drittem Choral, Alain, Duruflé und eigenen Werken (Johanneskirche) sowie Olivier Latry mit Viernes Dritter, Werken von Messiaen und Florentz sowie dem eigenen "Salve Regina" für Orgel und Sopran (St. Lambertus).
Zu erwähnen wären noch ein ausgezeichneter 94. Psalm mit Francesco Vinotti (St. Margareta). Ferner die eindrucksvolle Wiedergabe von Petr Ebens "Okna" durch David Tasa (Trompete) und Torsten Laux (Orgel, St. Michael), die wenige Tage nach dem Tod des Komponisten zu einem würdigen Memorial wurde. Weiter ein umfangreiches Improvisationskonzert mit Prof. Wolfgang Seifen (St. Lambertus). Und auch das Konzert für Blechbläser und Orgel (Andreas Petersen, Friedenskirche), welches u.a. Duprés selten zu hörendes "Poèm héroique" und Guilmants erste Sonate in interessanter Gestalt (Bearbeitung von Friedrich Flamme) brachte.
Das Festival beschränkte sich offenbar bewußt nicht auf die großen Orgeln der bekannten Innenstadtkirchen. Man ging auch in die Stadtteile und an Instrumente, die (Freipfeifenprospekte, elektrische Traktion, Baujahre 1955-65) sich nicht für Konzerte aufdrängen. Mit Erfolg. Wer hätte etwa gedacht, wie gut sich Liszt in St. Bruno spielen läßt? Oder Karg-Elert in St. Antonius-Oberkassel? Oder Vierne und Langlais in St. Antonius-Friedrichstadt? Auch die Nachbarn Düsseldorfs waren dabei: Das 5-jährige Orgeljubiläum in der Salvatorkirche Duisburg wurde ebenso ins Programm integriert wie einige Konzerte in Ratingen (z.B. Thomas Schmitz, Münster, mit u.a. Whitlock in St. Peter und Paul). Oder Neuss mit der Seifert-Orgel (1906) im Quirinusmünster.
Unter den Organisten, die der Rezensent nicht hören konnte waren u.a. noch Jörg Abbing, Dominique Sauer, Reinhard Kluth, Prof. Dr. Bretschneider und Jean Guillou.
Das Festival war auch eine Veranstaltung der Ökumene. Wenn die Kantoren Petersen (evangelisch) und Ober (katholisch) die Pariser Organisten Escaich und Latry gemeinsam am Flughafen abholen, Escaich dann in der evangelischen Johanneskirche über "Ein Feste Burg ist unser Gott" improvisiert, oder wenn Laux im Neusser Münster Reger spielt, oder die Dominikaner von St. Andreas dem Intendanten des Festivals Herbert H. Ludwig Programme nachdrucken, dann spricht das für gelebtes Miteinander.
Keine Frage, einige Konzerte hätten auch ohne das Festival stattgefunden. Bestehende Konzertreihen wurden eingebunden. Mit den zusätzlichen Konzerten, den Meisterkursen, dem Kompositionswettbewerb und den Angeboten an ein noch zu gewinnendes Publikum ergab sich aber ein neues Ganzes, das sich den aufrichtigen Dank aller Nutznießer verdient hat.
Mit anderen Worten: Fortsetzung erwünscht!
Der Autor hat zahlreiche Konzerte in Einzelkritiken zeitnah unter "www.orgelforum.de" besprochen.